
ZWEIMAL KOGLMANN, SPÄTHERBSTLICH
Unter dem Titel Franz Koglmann 07 / 08 findet am 12. Dezember 2008, um 19:30 im Großen Sendesaal des ORF-RadioKulturhaus eine Hommage an den Wiener Komponisten und Trompeter statt. Der Kompositionszyklus Lo-lee-ta unternimmt den Versuch, einige Erzählstränge und Charakterprofile aus dem Werk des großen russisch-amerikanischen Autors Vladimir Nabokov in die abstrakte Sprache der Musik zu übersetzen. Mit Nocturnal Walks wird Koglmanns freie Bearbeitung von Joseph Haydns „Hermannstädter Symphonie“, anläßlich der Kulturhauptstadt Sibiu/ Rumänien 2007 uraufgeführt., noch einmal ´live` zu Gehör gebracht. Gewissermaßen der inoffizielle Auftakt zum Haydn-Jahr.
Zweimal Koglmann, spätherbstlich: Lo-lee-ta , komponiert für das „Monoblue Quartet“ mit Tony Coe (Saxophone, Klarinette), Ed Renshaw (Gitarre) und Peter Herbert (Baß) nimmt die Herausforderung an, die Texte des Fallenstellers Nabokov, der "Täuschungen, Fallen, Preisgabe der Deckung, Irreführung bis zur Hexerei" zu den Maximen seiner literarischen Produktion machte, als Klang und akustische Spurensuche neu zu entwerfen. Ausgangspunkt seines Nabokov-Zyklus ist das „Love Theme from Lolita“ von Bob Harris aus dem gleichnamigen Kubrick-Film. Nicht viel mehr als eine Kreativzelle, deren Tonmaterial durch eine Serie von Permutationen, Umkehrungen, Krebsgänge und polyphone Verzweigungen gejagt wird, und wie ein Prisma unterschiedlichste Facetten von Nabokovs raffinierter Erzählkunst reflektiert.
Im zweiten Teil des Abends wird dann Nocturnal Walks vom exxj ... ensemble xx. jahrhundert und dem Dirigat von Peter Burwik aufgeführt. Ein anderes Spiel, eine neue Versuchsanordnung. An die Stelle der klanglichen Haikus von Lo-lee-ta tritt die akustische Epik: Kammerorchester statt Chamber Jazz, breiter Pinsel statt Kohlezeichnung.
Sprache wird in Nocturnal Walks nicht klanglich umspielt, sondern ist in Gestalt der Tonbandstimme des genialen Aphoristikers E. M. Cioran in der Komposition anwesend.
Das Akkordeon rülpst am Wirtshaustisch, die Bläser ergehen sich in mahlerhaften Glissandi und Schleiftönen. Hier hängt alles windschief in den Angeln, aufrechterhalten nur von den oszillierenden Zittertönen eines Vibraphons. Franz Koglmann gönnt sich einen seltenen Ausflug vom Elfenbeinturm in die Vulgarität des Allzumenschlichen, zitiert unverblümt aus Volksklang, Zigeunermusik und Meistersymphonie, und kostet die Dialektik zwischen dem Sublimen und der Groteske aus. Nocturnal Walks: Eine Musik, die irgendwo aus fernen Zonen des Bewußtseins herbeigeweht erscheint, wiedererkennbar, und doch so fern. "Man kann der Realität zwar näher und näher kommen", hat Vladimir Nabokov geschrieben, "aber man kommt ihr nie nahe genug. Denn Realität ist eine endlose Folge von Schritten, ein Stapel aufeinandergeschichteter Wahrnehmungen, eine Serie doppelter Böden."
Lo-lee-ta – Music on Nabokov wird im Anschluß an die Uraufführung für col legno auf CD eingespielt.
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