
FRANZ KOGLMANN
„Mehr als irgendein anderer Musiker“, so bescheinigt ihm Nick Liebmann von der „Neuen Züricher Zeitung“, „hat Koglmann eine musikalische Syntax entwickelt, die sich als Grundbau zu einem europäischen Jazz eignen würde.“ Der Komponist selbst, am 22. Mai 1947 in Mödling bei Wien geboren, sieht es lakonischer: „Ich schreibe keine Jazz-Musik, sondern Musik, die Jazz zulässt.“
Koglmann ist ein Grenzgänger. Viele nehmen diese Verortung zwischen allen Stühlen für sich in Anspruch, aber der Grenzgang bedarf mehr als ein Flanieren mit bohemienhaft tänzelndem Schritt auf einer dünnen Perforation, stets die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Halterungen links und rechts – seien es die Anerkennungen von offiziellen und offiziösen Stellen, seien es die Posten und Pöstchen, die die Kulturgesellschaft für den „freien Künstler“ als Lockung, Zaumzeug und Schweigegeld bereit hält. Koglmanns Grenzgang ist flankiert von Brachland zur einen und Abhang zur anderen Seite.
Von 1961 bis 1967 absolvierte er ein klassisches Musikstudium mit Hauptfach Trompete, dem schloss sich von 1969 bis 1972 ein Jazzstudium am Konservatorium der Stadt Wien an. Studienaufenthalte führen ihn 1972 und 1973 nach New York und Philadelphia, Orte, an denen sich gerade eine neue Sprache der improvisierten Musik entwickelte.
Vor allem die Zusammenarbeit mit Wiener Avantgardejazzern wie Walter M. Malli, Harun G. Barabbas oder Tony Michlmayr Anfang der Siebziger Jahre waren es, in denen Koglmann seine eigene musikalische Sprache als Grenzgang zwischen Vokabel und Idiom erprobte, ein Grenzgang, der in seiner Konsequenz bereits den Bogen von der Zweiten Wiener Schule um Schönberg, Berg und Webern – deklarierte Bezugspunkte Koglmanns – zur Gegenwart einer Kreativität außerhalb der stilistischen Schublade spannte. In den achtziger Jahren waren dann Paul Bley, Gary Peacock, Lee Konitz, Steve Lacy, Tony Coe, Ran Blake, Bill Dixon und Gerry Hemingway Weggefährten des Grenzgangs.
Zunächst als musikalischer Berater der Galerie nächst St. Stephan, dann ab 1982 künstlerischer Berater der Wiener Musik Galerie setzte Koglmann zusammen mit Ingrid Karl entscheidende Weichen zu einer musikalischen Horizonterweiterung des damaligen „Musikmuseums“ Wien. Die Festivals der Wiener Musik Galerie entwickelten sich rasch zu Anlaufstellen für all jene, die um die stilistische und ästhetische Vielfalt der zeitgenössischen Musikszene außerhalb des Musikmuseums wußten, und die nach mehr verlangte denn nach der „Jukebox des Repertoires“.
Bereits 1984 brachte er seine erste Platte (Schlaf Schlemmer, schlaf Magritte) mit seinem Ensemble Pipetet heraus, eine radikale Arbeit, in der Koglmann, der Maxime des von ihm hochverehrten Heimito von Doderer folgend, Musik als hochemotionales Ereignis mit einer gekühlten Schicht deklariert. Doch erst seine Teilnahme am Salon européen du Jazz in Paris 1985, die Mitwirkung an der Europalia in Belgien 1987 und schließlich die Uraufführung von The Use of Memory bei den Donaueschinger Musiktagen 1990 waren es, die schließlich international auf Koglmanns kompositorisches Schaffen aufmerksam machten.
Koglmann hat es weder seinen Zuhörern noch seinen Kritikern jemals leicht gemacht. Nicht faßbar ist er für den konventionellen Jazz-Fan, bei dem Interesse und Verehrung eine gefährliche Schnittmenge haben, nicht greifbar für den Kritiker, der sich von einem Künstler zu eigenen Kunstvorstellungen inspirieren läßt, und diese dann von jenem verwirklicht sehen will.
Anfang der neunziger Jahre entstanden in rascher Folge wegweisende Kompositionen, von denen sich jede für sich gegen eine normierende Vereinnahmung verwehrt. Sei es die viersätzige Suite beinahe sinfonischen Ausmaßes Cantos (1992), sei es die parodistische Mélange de la promenade (ein Auftragswerk der Jeunesse musicale 1993), sei es schließlich die erste Vokalkomposition Koglmanns, die Ezra-Pound-Kantate O Moon, My Pin-Up, mit denen 1997 das Festival Hörgänge im Wiener Konzerthaus eröffnet wurden – Koglmann blieb unzuordenbar. So unzuordenbar, dass die Wiener Festwochen im selben Jahr die Auftragskomposition Ein heller, lichter, schöner Tag – Hommage à Franz Schubert nach der Generalprobe (!!!) aus dem Programm des Eröffnungskonzertes nahmen – aus Angst, bei der weltweiten Übertragung das Fernsehpublikum zu vergrämen. Der Erfolg des Ensemblewerkes Don’t Play, Just Be, uraufgeführt vom Klangforum Wien unter Sylvain Cambreling, beim Festival Ars Musica in Brüssel 1998, war die knappe Antwort auf Wiens Befürchtungen.
„One of the greatest composers of his generation“, attestiert Piero Scaruffi in seinem Buch The History of Jazz Music dem Nonkonformisten, „“Koglmann metabolized the past in order to create the future.“
Koglmanns Schaffen im 21. Jahrhundert ist geprägt von einer verstärkten Zuwendung zum Theatralischen. Neben seiner Theatermusik Venus in Transit (2001, Wiener Schauspielhaus), setzte er mit seiner „Beach Opera“ Fear Death by Water (Libretto von Christian Baier nach Motiven aus T.S.Eliots The Waste Land) dem skeptizistischen Diskurs über die Unvereinbarkeit von improvisierter Musik mit dem starren Regelwerk einer „Opernmaschine“ ein Ende. 2004 folgte Let’s Make Love, ein nonverbales „imaginäres Theater“ (Libretto: Christian Baier), 2007 dann das metaszenische Auftragswerk der Brukenthal-Stiftung für die europäische Kulturhauptstadt 2007 Sibiu/Hermannstadt Nächtliche Spaziergänge – Eine Gedankendämmerung nach Motiven von Joseph Haydn mit der Originalstimme von E .M. Cioran (Nocturnal Walks) mit Peter Burwiks exxj – ensemble xx. jahrhundert, 2009 schließlich Lo-lee-ta, Programm-Musik, Musik-Programm nach Vladimir Nabokovs Roman Lolita.
2011 erweiterte sich Koglmanns theatraler Radius in Richtung Tanzkunst. Zusammen mit dem Choreographen und Dortmunder Ballettdirektor Xin Peng Wang gestaltete er Identities nach dem gleichnamigen Roman von Milan Kundéra im Ballettzentrum Westfalen/NRW. 2013 ist die Uraufführung seiner zweiten Oper, JOIN! (Libretto: Alfred Zellinger) mit Netzzeit vorgesehen.
(Christian Baier)
Preise und Auszeichnungen:
2008 Ernst-Krenek-Preis für Nocturnal Walks;
2003 Würdigungspreis für Musik des Landes Niederösterreich;
2003 Hans Koller Preis – CD des Jahres für Don’t Play, Just Be;
2001 Preis der Stadt Wien für Musik;
1997 Kompositionspreis der Ersten Österreichischen Spar-Casse;
1992 Förderungspreis der Sparte Musik des Landes Niederösterreich;
1989 und 1995 Staatsstipendium für Komposition;
1987 Förderungspreis für Musik der Republik Österreich;
1972 und 1976 Förderungspreis aus dem Kunstfond der Stadt Wien.
Ausgewählte Diskografie:
LO-LEE-TA. MUSIC ON NABOKOV
mit dem Monoblue Quartet und Wolfgang Mitterer
col legno, WWE 1CD 30004 (2009)
KOGLMANN – HAYDN: NOCTURNAL WALKS
mit dem exxj ... ensemble xx. jahrhundert unter Peter Burwik; und dem Haydn Orchestra Bolzano and Trento unter Gustav Kuhn
col legno, WWE 1CD 2027 (2007)
LET’S MAKE LOVE
Eine Co-Produktion von between the lines mit dem ORF mit dem Franz Koglmann Pipetet (Gert Schubert, Mario Arcari, Tony Coe, Franz Koglmann, Tom Varner, Rudolf Ruschel, Raoul Herget, Robert M. Weiss, Peter Herbert), musikalische Leitung: Gustav Bauer
between the lines, BTLCHR 71206 (2005)
THE BRIDAL SUITE
mit Oskar Aichinger
Handsemmel records 2108 (2004)
FEAR DEATH BY WATER
Live-Mitschnitt der Uraufführung mit Morenike Fadayomi, Walter Raffeiner u. a., Monoblue Quartet, Ensemble exxj, musikalische Leitung: Peter Burwik
between the lines btl 034 (2003)
DON'T PLAY, JUST BE
mit Ursula Fiedler, Tony Coe, James Emery, Uli Fussenegger, Peter Herbert und dem Klangforum Wien unter der Leitung von Emilio Pomárico
between the lines btl 021 (Mai 2002)
WE THOUGHT ABOUT DUKE
mit Lee Konitz, Monoblue Quartet und Pipe Trio (Franz Koglmann, Rudolf Ruschel, Raoul Herget)
hat ART CD 6163 (1994, reissued: May 2002)
O MOON MY PIN-UP
Cantata for Solo Voice (Phil Minton), Pipetet (Tony Coe, Barre Phillips u. a.) und die Wiener Vokalisten (Ursula Fiedler u.a.), musikalische Leitung: Gustav Bauer
Text: Ezra Pound (The Pisan Cantos LXXIV−LXXXIV)
Mit Beiträgen von Peter Niklas Wilson, Franz Schuh, Peter Rüedi, Robert Bilek, Franz Koglmann u.a.
Photos by ÖhnerKraller
Limited edition Hrsg. Wespennest, koproduziert mit hat HUT records, 1998
reissued: hatOLOGY 566 (2001)
VENNUS IN TRANSIT
Theatermusic für Beverly Blankenships Theaterproduktion Vivace
Aufgenommen im Februar 2001 in New York
mit Franz Koglmann, Chris Speed, Michael Rabinowitz, Mat Maneri, David Fiuczynski, Peter Herbert, John Mettam, Wolfram Igor Derntl
between the lines btl 016 (2001)
AN AFFAIR WITH STRAUSS
mit dem Monoblue Quartet (Tony Coe, Franz Koglmann, Burkhard Stangl, Peter Herbert)
Auftragsarbeit des Wien Museum anläßlich des Strauss-Jahres 1999;
between the lines btl 006 (1999)
MAKE BELIEVE
Six musical scenes based on Jean Cocteau’s novel Les enfants terribles
mit Monoblue Quartet (Tony Coe, Franz Koglmann, Brad Shepik, Peter Herbert) und Tom Varner (French horn)
between the lines btl 001 (1998)
OPIUM / FOR FRANZ
mit Bill Dixon, Steve Lacy, Steve Horenstein, Josef Traindl, Alan Silva, Cesarius Alvim Botelho, Aldo Romano, Toni Michlmayr, Muhammad Malli, Gerd Geier;
limitierte Auflage: 500 Exemplare mit von Koglmann handbemalten Covers
pipe records 152 (1976);
reissued: OPIUM, between the lines, btl 011 (2001)
ANNETTE
mit Paul Bley und Gary Peacock
hat ART CD 6118 (1992)
L'HEURE BLEUE
mit Monoblue Quartet (Tony Coe, Franz Koglmann, Burkhard Stangl, Klaus Koch), Misha Mengelberg
hat ART CD 6093 (1991)
THE USE OF MEMORY
mit dem Franz Koglmann Pipetet
UA Donaueschingen 1990
hat ART CD 6078 (1990)
ORTE DER GEOMETRIE
mit dem Pipetet. special guest: Ran Blake
hat ART CD 6018 (1988)
FLAPS
mit Steve Lacy, Gerd Geier, Tony Michlmayr, Walter M. Malli
pipe records 151 (1973)
FLORIAN KITT
An der Wiener Musikakademie studierte er bei Frieda Litschauer, in Köln bei Gaspar Cassadó, in Detmold bei André Navarra, ehe er 1964 im Wiener Konzerthaus in einem Duo-Programm mit Rudolf Buchbinder debütierte. Seither ist Florian Kitt international einer der gefragtesten Solisten. Der Corriere della serra nennt ihn den idealen Solisten für Luciano Berio, Die Presse, Wien, attestiert ihm Empfindsamkeit und Brillanz bei der Interpretation von Nigel Osbornes dem Solisten gewidmeten Cellokonzert, The Daily London attestiert ihm bei Ligetis Cellokonzert Meisterschaft. Hingabe und Bravour – bei Florian Kitt streifen diese Begriffe die Patina des Gemeinplatzes ab.
Seit 1970 leitet er eine Ausbildungsklasse an der Universität für Musik in Graz sowie zahlreiche Meisterkurse. Sein Repertoire umfasst die meisten Werke der Literatur für sein Instrument, und gerade dieser weite interpretatorische Horizont prädestiniert ihn für eine künstlerische Gegenwärtigkeit, die die Zeitschrift The Strad, London, anspricht: „Florian Kitt ist einer der besten Interpreten des zeitgenössischen Cellorepertoires.“
AIMA MARIA LABRA-MAKK
In Cebu City auf den Philippinen geboren, mit drei Jahren bereits ersten Klavierunterricht durch ihre Mutter, Aida Briones Labra, Studium am College of Music in Manila bei Perla Z. Suaco, 1985 erster Preis bei der National Competition for Young Artists in Manila, 1986 Studium an der Musikuniversität Graz bei Eugen Jakab, 1990 Würdigungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung – Aima Maria Labra-Makk zählt zu den profiliertesten Konzertpianistinnen Österreichs. „Makellos“ nennen Kritiker ihr Spiel, „ihre Interpretationen zeichnen sich durch hohe musikalische Intelligenz, farbigen und nuancenreichen Ausdrucksgehalt und nicht zuletzt physische Robustheit aus.“
Ihre zahlreichen Auszeichnungen – u.a. beim Klavierwettbewerb Franz Schubert und die Musik des 20. Jahrhunderts (1989) – sowie ihre rege Konzerttätigkeit in den USA, Europa und Asien sprechen für sich. Als einzige Pianistin spielte sie das Gesamtwerk von Jenö Takacs für Soloklavier auf CD ein und engagierte sich für den Komponisten durch die Organisation des Jenö Takacs Klavierwettbewerb in Oberschützen.
Aima Maria Labra-Makk leitet die Klaviervorbereitungsklasse an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und hält regelmäßig Meisterkurse in Österreich, Ungarn, den USA und auf den Philippinen ab.
MARTINA CLAUSSEN
Die Sängerin und Performerin Martina Claussen schloss ihre Gesangs- und
Musiktheaterstudien an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien und an der Konservatorium Wien Privatuniversität mit Auszeichnung ab. Nach Engagements an den wichtigen Konzert- und Opernhäusern ihrer Wahlheimatstadt Wien folgte sie Einladungen zu Festivals (Steirischer Herbst, Klangbogen Wien und Wien modern). Konzertreisen führten sie quer durch Europa, nach Asien und in die USA.
Mit Aufführungen von Werken von Johann Strauß über Charles Ives bis Verdi und Alexander von Zemlinsky sowie Uraufführungen von Wolfram Wagner, Kurt Rapf und Dieter Schnebel zeigt sich die musikalische und stilistische Vielseitigkeit der Sängerin. Ihr Interesse für interdisziplinäre Projekte lassen sie dabei immer wieder die Grenzen der musikalischen Stilrichtungen überschreiten. So war Martina Claussen 2011 im Rahmen der Klangkunstbühne Berlin live mit Elektronik improvisierend in Interaktion mit Tanz und Schauspiel zu erleben. Im Mai 2012 brachte die Künstlerin im Porgy&Bess den Zyklus Eine Sommerreise von Harald Huber zur Uraufführung, bei dem sie die Bandbreite ihrer stimmlichen Fähigkeiten von Klassik über Pop, Rock bis zum Jazz eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Im Haydn-Gedenkjahr 2009 verwirklichte sie als Gesamtleiterin ihre Vorstellungen vom Zusammenwirken der Künste beim Opernprojekt Il mondo della luna (Musik: Joseph Haydn) unter Einbeziehung von Tanz, Schauspiel und Elektronik in Zusammenarbeit mit der Universität für Musik und der Universität für angewandte Kunst Wien.
Martina Claussen unterrichtet als Professorin für Gesang an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien.
JOSEF MAYR
In Steyr/Oberösterreich geboren, studierte Mayr am Brucknerkonservatorium Linz und an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, diplomierte mit Auszeichnung und lehrt an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.
Er konzertierte als Solist in Österreich, Deutschland, Slowakei, Tschechien, Frankreich, Italien und den USA, wirkte an vielen Uraufführungen mit und ist Widmungsträger zahlreicher neuer Klavierwerke.
Rundfunkaufnahmen und mehrere CD-Produktionen erregten die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Medien. Vor allem seine Entdeckerfreude und der Mut zu ungewöhnlichen Werkkonfrontationen sind es, die Mayrs interpretatorische Tätigkeit als aufklärerische Sondierungsarbeit in überinformierter Zeit erscheinen lassen: „Eine glänzende Idee wird glänzend realisiert“, urteilt der Kurier über die CD Echoes from Austria. „Kostbar und rar“ nennt News die CD Toccata.
exxj – ensemble xx. jahrhundert
„ensemble xx. jahrhundert“ wurde 1971 von Peter Burwik gegründet mit dem Ziel, die Musik des 20. Jahrhunderts bekannt zu machen und das Gegenwartsschaffen zu fördern. Unter diesem Aspekt wurden und werden zahlreiche Kompositionsaufträge an in- und ausländische Komponisten vergeben.
Neben dem Repertoire der Zweiten Wiener Schule schließt die ästhetische Bandbreite des Ensembles u.a. Werke von Luciano Berio, Pierre Boulez, Kaija Saariaho, Karl-Heinz Stockhausen, Arvo Pärt, Klaus Huber, Steve Reich, Vinko Globokar, Morton Feldmann, Younghi Pagh-Paan, Emanuel Nunes, Karlheinz Essl und Barbara Kolb ein.
Das Ensemble blickt auf eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland zurück (Wiener Konzerthaus, Musikverein, Wiener Festwochen, wien modern, ORF, Steirischer Herbst, Carinthischer Sommer, Linzer Brucknerfest, Salzburger Festspiele, Wiener Festwochen, Edinburgh-Festival, Berliner Festspiele, Hong Kong Arts Festival, Festival of Huddersfield, Warschauer Herbst, Musica in Strasbourg und Enescu-Festival Bukarest).
Nach der Uraufführung von Franz Koglmanns Oper Fear Death by Water – 2003 im Wiener Museums Quartier – beschäftigte sich das Ensemble verstärkt mit der Präsentation grenz- und genreüberschreitender Kompositionen – wesentliche Resultate, etwa vom Projekt mit Alter Wiener Musik, bei dem Komponisten unterschiedlichster stilistischer Positionen zur Auseinandersetzung mit originalem Volksliedgut animiert wurden, sind inzwischen auf CD veröffentlicht worden.
Besonders engagiert ist das Ensemble auch bei der Vermittlung von Gegenwartsmusik: Im Rahmen seiner Konzertreihe Tribüne, die seit 2008 in Kooperation mit dem ÖKB realisiert wurde, konnten bisher 34 österreichische Komponisten und Komponistinnen – mit neuen Werken oder auch Uraufführungen – in Gesprächskonzerten einem großteils neuen Publikum bekannt gemacht werden.
„Es ist mehr als ein Vergnügen, jedem einzelnen dieses Solistenensembles zuzuhören.“ (Ernst Krenek)
PETER BURWIK
Peter Burwik studierte bei Hans Swarowsky in Wien und promovierte zum Doktor der Theaterwissenschaften an der Universität Wien. Weiterführende Studien und enge Zusammenarbeit mit Bruno Maderna in Salzburg und Darmstadt beeinflußten seine musikalische Entwicklung gleichermaßen nachhaltig.
1971 gründete er das ensemble xx. jahrhundert in Wien, als dessen Musikdirektor er seither verantwortlich zeichnet. Bis heute ist er in Wien, in den österreichischen Bundesländern, in Europa und weltweit mit dem Ensemble in renommierten Konzertreihen und bei namhaften Festivals tätig
gewesen; eine Reihe von CD-Produktionen (bei Gramola und Capriccio erschienen) dokumentiert die inhaltliche Vielfalt und das hohe Leistungsniveau dieser Arbeit beeindruckend.
Seit den 70er Jahren war Burwik auch Gast bedeutender Orchester im In- und Ausland (Wiener Symphoniker, RSO Berlin, Orchestre Philharmonique Paris, WOS Katowice, NDR-Symphonieorchester Hamburg, ORF-Symphonieorchester, Symphonieorchester des SF-Stuttgart, Rundfunkorchester in Lissabon und Orchestre National de Lille) und bei Musiktheaterproduktionen (Wien, Hong Kong, Helsinki).
1991 bis 1994 war er ständiger Gastdirigent der Mährischen Staatsphilharmonie, mit der er auch im Ausland gastierte. Burwik beendete diese Zusammenarbeit mit einer stark akklamierten Aufführung der 2. Symphonie von Gustav Mahler.
Neben seiner langjährigen Unterrichtstätigkeit an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (ao.Univ. Prof. für Interpretation und Aufführungspraxis Neuer Musik) ist Burwik gefragter Gastdirigent ausländischer Orchester (u.a. Santiago de Chile, Bozen, Caracas, Havanna, Dartington, Plovdiv, Hongkong, Shanghai).
MARKUS HERING
Wer ihn aus dem finnischen Epos Kalevala lesen hört, versteht vielleicht die Welt nicht mehr, aber er hat mehr verstanden, als die Welt tatsächlich ist.
Markus Hering zählt für viele zu den prägendsten wie einprägsamsten Schauspielerpersönlichkeiten der letzten Jahre.
1960 in Siegen/Westfalen geboren, ursprünglich zum Tischler ausgebildet, ehe er von 1983 bis 1987 an der Hochschule für Darstellende Kunst in Hannover studierte, erhielt er sein erstes Engagement am Staatstheater Kassel, ehe er an die Städtischen Bühnen Frankfurt am Main wechselte. Dort lernte er Hans Gratzer kennen, der ihn ans Schauspielhaus nach Wien holte.
Von 1993 bis 2011 war Hering Mitglied des Burgtheaters und arbeitete eng mit Claus Peymann, Leander Haussmann, Karlheinz Hackl, Gabor Zambeki, Tamas Ascher, Theu Boermans, Stefan Kimmig, Roland Schimmelpfennig, Stefan Bachmann und Christiane Pohle zusammen. 2003 und 2008 erhielt er den begehrten Theaterpreis Nestroy.
Seit 1993 ist Hering auch als Filmdarsteller unter der Regie von Dieter Wedel, Michael Kreihsl, Diethard Klante, Rolf Schübel, Thomas Roth und Costa-Gavras tätig.
Seit der Spielzeit 2011/ 12 ist Markus Hering am Residenztheater in München tätig.
de.wikipedia.org/wiki/Markus_Hering
ATTILA PASZTOR
1971 in Wien geboren, Studium am Konservatorium der Stadt Wien bei Josef Luitz, an der Wiener Musikuniversität bei Wolfgang Herzer und Tobias Kühne, Zusatzstudien bei Daniel Schafran, Arto Noras und David Geringas, Stipendiat der Hugo-Wolff Stiftung, des Bundesministeriums, der Martha-Sobotka-Charlotte-Janacek-Stiftung – bei einem solchen beeindruckenden Karrierestart hat es Attila Pasztor nicht belassen. 1990 bis 2004 studierte er auch Komposition an der Universität für Musik in Wien bei Dietmar Schermann, Heinrich Gattermeyer und Michael Jarrell und absolvierte gleichzeitig ein Studium der Jurisprudenz an der Universität Wien.
Neben solistischen Auftritten und Tourneen (u.a. mit Wiener Kammerorchester, NÖ Tonkünstlerorchester, Warschauer Philharmoniker, Baltische Philharmonie) wirkt er als Solist bei internationalen Festivals u.a. in Österreich, Deutschland, Polen, Finnland mit und arbeitet mit dem Küchl-Quartett, dem Glinka-Arenkow-Quartett, dem Haydn-Quartett und mit Künstlern wie Andrej Lubimov, Christian Altenburger, Julian Rachlin, Barbara Moser u.a.
Seine Tätigkeit wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen gewürdigt. 2009 begründete er das Goldbergtrio Wien zusammen mit Barbara Moser und Michael Maciascyk. Neben seinem Wirken im Silvestri-Quartett, dem Limat-Klaviertrio und dem Ensemble von Thomas Christian ist Attila Pasztor auch als Komponist tätig.
ROBERT BRUNNLECHNER
Wieviele Eckpunkte hat Vielseitigkeit? – Geboren 1970 in St. Pölten, Fagottstudium am Konservatorium der Stadt Wien bei Michael Werba, daneben Studien der Musik- und Theaterwissenschaft und der Romanistik, Meisterkurse bei Richard Galler und Klaus Thunemann, seit 1995 Leitung einer Fagottklasse an der Musikschule der Landeshauptstadt St. Pölten.
Als Interpret ist Robert Brunnlechner schwer in Kategorien einzuordnen. Seit 1996 als erster Fagottist beim Städtischen Orchester Baden, hat sich sein künstlerischer Weg weit verzweigt: Internationale Konzerte mit den NÖ Bläsersolisten, dem Fagottquartett Fagott It und dem Ensemble exxj – ensemble xx. jahrhundert, Substitut unter anderem im Orchester der Wiener Volks- und Staatsoper, im NÖ Tonkünstlerorchester und bei den Wiener Philharmonikern, dem Symphonieorchester Kärnten, sowie dem Classical-Music-Festival Orchestra der University of South Florida, in den letzten Jahren vermehrte Zusammenarbeit mit Künstlern der sogenannten U-Szene wie Christian Kolonovits und Wolfgang Ambros sowie im Bereich Jazz und freie Improvisationsmusik mit Franz Koglmann, Michael Fischer, Roland Bentz und Georg Edlinger.
Als Komponist schuf Brunnlechner – ein erklärter Autodidakt – Werke für großes Symphonieorchester, Blasorchester und Kammermusik, die u.a. vom Ambassade Orchester Wien unter Aleksej Igudesman, Rudolf Streicher und Christian Kolonovits und vom Orchester des Stadttheaters Baden uraufgeführt wurden.
GÜNTER „BABY“ SOMMER
Sein hochindividualisiertes Schlaginstrumentarium und seine unverwechselbare musikalische Sprache – die akustischen Markenzeichen des 1943 in Dresden geborenen Günter Baby Sommer sind unüberhörbar.
1962 bis 1966 studierte er an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden, der Abteilung „Tanz- und Unterhaltungsmusik“, einer der ersten Jazzabteilung einer deutschen Musikhochschule, und spielte in Formationen von Klaus Lenz. Zum freien Spiel gelangte Sommer in dem Trio des Saxophonisten Friedhelm Schönfeld. Nach Ausflügen mit Ulrich Gumperts Band SOK in den Jazzrock, war Sommer wichtiger Bestandteil in dem Trio von Ernst-Ludwig Petrowksy, Synopsis – dem späteren Zentralquartett – und der Ulrich Gumpert Workshopband.
Wesentlich für Sommers Entwicklung war die Entdeckung seines Solospiels in den sog. Hörmusik-Programmen – und beinahe zeitgleich die Trioarbeit mit Wadada Leo Smith und Peter Kowald. Die Zusammenarbeit mit Peter Brötzmann, Fred van Hove, Alexander von Schlippenbach, Evan Parker, Gianluigi Trovesi, Cecil Taylor und Anthony Braxton hat ihn ein Kapitel Jazz-Gegenwart schreiben lassen.
Sommers Diskografie umfasst annähernd 100 Schallplatten und CDs. Daneben schuf er Hörspiel-, Film- und Bühnenmusiken. Seit 1995 lehrt er als Professor an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden.
RONALD POHL
Beobachtungsgabe und verspielter Witz werden dem Erbauer „alphabethischer Luftschlösser“ attestiert. „Hier hält Avantgardeliteratur ihr Versprechen“, urteilt „Zeit und Kritik“. Ronald Pohl, Jahrgang 1965, Feuilleton-Redakteur bei der Tageszeitung „Der Standard“, Mitglied der Grazer Autorenversammlung, veröffentlichte Gedichtbände (Doppel Be, 1988, wind jam meer, 1991, ein pastete das bissen, 1993, von stühlen drangs, 2000) sowie die Erzählungen sudelküche seelenruh (2004) und den Roman Die algerische Verblendung (2007); es folgen mehrere Theater-Uraufführungen, zuletzt Der Zuschließer (Theater Drachengasse 2009). Aktuelle Publikation: pound in pisa. Die Badeküsser, zwei Erzählungen, Ritterverlag, Klagenfurt, 2012.
ALFRED ZELLINGER
Schriftsteller, Dramatiker, Performer und Kulturmanager – Alfred Zellingers Kunst ist die der Fusion unterschiedlichster Lebensbereiche. 1945 im oberösterreichischen Perg geboren, Studium der Rechtswissenschaften, Ökonomie und Soziologie an der Universität Wien, Werbeberater und Marketingleiter für Großkonzerne wie Unilever, Procter& Gamble und Philips tätig, zeichnete 1992 bis 2008 Werbechef für das Image einer österreichischen Bank verantwortlich und suchte als Geschäftsführer der Klaviermanufaktur Bösendorfer und der FoundationsQuartierGesmbH in Wien den kreativen Schulterschluß zwischen Kunst und Wirtschaft. In seinen Theaterstücken – Spiel der Konzerne (1985) und Die Medienmaschine (1992) – plaudert er nicht bloß aus dem „Nähkästchen“, sondern thematisiert die Störanfälligkeit von Wirtschaftssystemen; in seinen Essays – u.a. Zur Ästhetik des industriellen Systems. Die Sinnlichkeit der Theorie (1983), Stadtwolf / Downtown (1987), oder Droge/Leben (2000) – untersucht er den „Menschen als digitales Zeichen“ im sozialen Kontext.
de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Zellinger