FRANZ KOGLMANN

Koglmann hat mehr als irgendein anderer Musiker eine musikalische Syntax entwickelt, die sich als Grundbau zu einem europäischen Jazz eignen würde.
(Nick Liebmann, Neue Zürcher Zeitung)

One of the greatest composers of his generation, Koglmann metabolized the past in order to create the future. (Piero Scaruffi, The History of Jazz Music)

Koglmann wird international als wesentlicher Erneuerer der Musik im Grenzbereich von Jazz und europäischer Moderne rezipiert.

Geboren 1947 in Mödling bei Wien. Von 1961-67 studierte er klassische Musik mit Hauptfach Trompete, schloß 1969-72 ein Jazzstudium am Konservatorium der Stadt Wien an und ergänzte seine Ausbildung 1972/73 durch Studienaufenthalte in New York und Philadelphia.

1973 gründete er das Label Pipe Records, auf dem er drei Schallplatten u.a. mit Steve Lacy und Bill Dixon veröffentlicht hat.

Franz Koglmann hat mit vielen bedeutenden internationalen Jazzmusikern zusammengearbeitet. Zu den Ensembles, die er gründete oder in denen er mitspielte, gehören Triobesetzungen mit Walter Malli und Derek Bailey sowie mit Paul Bley und Gary Peacock, ein Duo mit Oskar Aichinger, das Monoblue Quartet mit Tony Coe, sowie das Ensemble Pipetet, das er 1983 gründete und dessen erste LP „Schlaf Schlemmer, Schlaf Magritte“ ein Jahr später erschien. Das Pipe Trio mit Rudolf Ruschel und Raoul Herget entstand 1986. 1995 arbeitete er mit Lee Konitz zusammen.

Seit Mitte der 80er Jahre liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit im Bereich der Komposition. Uraufführungen seiner Auftragsarbeiten im Grenzbereich von Jazz/Neue Musik erfolgten 1990 bei den Donaueschinger Musiktagen („The Use of Memory“), im Wiener Konzerthaus (in Zusammenarbeit mit der Wiener Musik Galerie „Küß’ die Hand, Jazz“ 1992), im Musikverein („Mélange de la promenade“, 1993), bei der Kölner Triennale (1994), bei Wien Modern ′94, sowie bei den Festivals von Toronto, Vancouver und Quebec und in der Knitting Factory, New York (1995). 1997 wurde seine Auftragskomposition der Wiener Festwochen „Ein heller, lichter, schöner Tag“ unter Dennis Russell Davies sowie die Ezra-Pound-Kantata „O Moon My Pin Up“ uraufgeführt.
1998 folgte „Don’t Play, Just Be sowie Späte Liebe“ (Lieder nach Gedichten von Franz Schuh) mit dem Klangforum Wien unter Sylvain Cambreling bzw. Emilio Pomarico, und 2003 die ‚Beach Opera’ „Fear Death by Water“ nach T. S. Eliot (Netzzeit-Produktion mit dem Monoblue Quartet und dem Ensemble exxj ... ensmble xx. jahrhundert unter Peter Burwik).
Weitere Uraufführungen gab es 2004 mit „Let’s Make Love“, einem imaginären Theater und 2007 mit dem Auftragswerk „Nächtliche Spaziergänge – Eine Gedankendämmerung nach Motiven von Joseph Haydn mit der Originalstimme von E.M. Cioran“ als Österreich-Beitrag für die Europäische Kulturhauptsstadt 2007 Sibiu.

Koglmanns CDs erschienen bei hat HUT, Schweiz und between the lines, Deutschland; seit „Nächtliche Spaziergänge“ (2007) veröffentlicht er auf col legno.

Preise und Auszeichnungen:
Förderungspreise der Stadt Wien (1972 und 1976),
Förderungspreis für Musik der Republik Österreich (1987),
Staatsstipendium für Komposition (1989 und 1995),
Förderungspreis der Sparte Musik des Landes Niederösterreich (1992),
Kompositionspreis der Ersten Österreichischen Sparcasse (1997),
Preis der Stadt Wien für Musik (2001),
Hans Koller Preis – CD des Jahres für „Don’t Play, Just Be“ (2003),
Würdigungspreis für Musik des Landes Niederösterreich (2003),
Ernst-Krenek-Preis der Stadt Wien für „Nächtliche Spaziergänge“ (2008)

Ausgewählte Diskografie:

KOGLMANN – HAYDN: NOCTURNAL WALKS
mit dem exxj ... ensemble XX. jahrhundert unter Peter Burwik; und dem Haydn Orchestra Bolzano ant Trento unter Gustav Kuhn
col legno, WWE 1CD 2027 (2007)

LET’S MAKE LOVE
Eine Co-Produktion von between the lines mit dem ORF mit dem Franz Koglmann Pipetet (Gert Schubert, Mario Arcari, Tony Coe, Franz Koglmann, Tom Varner, Rudolf Ruschel, Raoul Herget, Robert M. Weiss, Peter Herbert), musikalische Leitung: Gustav Bauer
Between the lines, BTLCHR 71206 (2005)

THE BRIDAL SUITE
mit Oskar Aichinger
Handsemmel records 2108 (2004)

FEAR DEATH BY WATER
Live-Mitschnitt der Uraufführung mit Morenike Fadayomi, Walter Raffeiner u. a., Monoblue Quartet, Ensemble exxj, musikalische Leitung: Peter Burwik
between the lines btl 034 (2003)

DON'T PLAY, JUST BE
mit Ursula Fiedler, Tony Coe, James Emery, Uli Fussenegger, Peter Herbert und dem Klangforum Wien unter der Leitung von Emilio Pomárico
between the lines btl 021 (Mai 2002)

VENUS IN TRANSIT
Bühnenmusik zu Beverly Blankenship’s Vivace;
mit Chris Speed, Michael Rabinowitz, Mat Maneri, David Fiuczynski, Peter Herbert, John Mettam; recorded in New York
between the lines, btl 016 (2001)

O MOON MY PIN-UP
Cantata for Solo Voice (Phil Minton), Pipetet (Tony Coe, Barre Phillips u. a.) und die Wiener Vokalisten (Ursula Fiedler u .a.), musikalische Leitung: Gustav Bauer
Text: Ezra Pound (The Pisan Cantos LXXIV−LXXXIV)
Mit Beiträgen von Peter Niklas Wilson, Franz Schuh, Peter Rüedi, Robert Bilek, Franz Koglmann u .a.
Photos by ÖhnerKraller
Limited edition Hrsg. Wespennest, koproduziert mit hat HUT records, 1998
reissued: hatOLOGY 566 (2001)

OPIUM / FOR FRANZ
mit Bill Dixon, Steve Lacy, Steve Horenstein, Josef Traindl, Alan Silva, Cesarius Alvim Botelho, Aldo Romano, Toni Michlmayr, Muhammad Malli, Gerd Geier;
limitierte Auflage: 500 Exemplare mit von Koglmann handbemalten Covers
pipe records 152 (1976);
reissued: OPIUM, between the lines, btl 011 (2001)

ANNETTE
mit Paul Bley und Gary Peacock
hat ART CD 6118 (1992)

THE USE OF MEMORY
mit dem Franz Koglmann Pipetet; UA Donaueschingen 1990
hat ART CD 6078 (1990)

 

MONOBLUE QUARTET

Tony Coe – Tenorsaxophon, Klarinette
Franz Koglmann – Trompete, Flügelhorn
Ed Renshaw – Gitarre, electronics
Peter Herbert – Kontrabaß

Das Monoblue Quartet ist eine Splittergruppe des 18-köpfigen Franz Koglmann Pipetet und trat 1990 bei den Donaueschinger Musiktagen zum ersten Mal in Erscheinung.
Monoblue, inspiriert von den blau-monochromen Werken des legendären französischen Künstlers Yves Klein, war die erste Komposition Koglmanns für dieses Quartett. Erstmals zu hören auf The Use of Memory, hat ART CD 6078.

Nach mehreren CD-Einspielungen und Gastspielen bei den Festivals von Le Mans, Paris, Frankfurt, Wien, Dokumenta IX in Kassel, Triennale Köln, London u.a. spielte das Monoblue Quartet 2001 im Auftrag von Reporter ohne Grenzen Koglmanns Komposition Entre chien et loup ein (auf Don’t Play, Just Be, btl 034, Hans Koller Preis 2003- CD des Jahres). 2008: Neujahrskonzert der Kölner Philharmonie.

Die Besetzung des Ensembles hat sich im Laufe der Jahre verändert. So trat Peter Herbert 1999 an die Stelle des langjährigen Koglmann-Bassisten Klaus Koch. Nach den Gitarristen Burhard Stangl und Martin Siewert ist nun seit 2007 Ed Renshaw neues Mitglied des Quartetts.

CDs:

L'HEURE BLEUE
Monoblue Quartet (Tony Coe, Franz Koglmann, Burkhard Stangl, Klaus Koch) und Misha Mengelberg
hat ART CD 6093 (1991)
Top CD 1992 in: Jazz Magazine, Paris;
Record of the year 1991 in: The Times, London;
Nr. 3 in the list of the world's best CDs 1992 in: Pulse, New York;
Jazzrecord of the year 1992 in: Die Presse, Wien.

WE THOUGHT ABOUT DUKE
Lee Konitz, Monoblue Quartet und Pipe Trio (Franz Koglmann, Rudolf Ruschel, Raoul Herget)
hat ART CD 6163 (1994, reissued: May 2002)
5 stars in: Diapasson, France;
4 stars in: Cuadernos de Jazz, Spain.
Choc in: Jazzman, Paris

MAKE BELIEVE
Monoblue Quartet, Tom Varner und Brad Shepik
between the lines btl 001 (1998)
unter den Top 10 1999 in Jazz Weekly, USA by Steve Koenig;
5 stars in: Fono Forum, Germany, Stereo,Germany; all about jazz, USA;Italy; Diário de Notícias, Portugal

AN AFFAIR WITH STRAUSS
Monoblue Quartet
between the lines btl 006 (2000)
Choc in: Jazzman,France;
5 stars in Jazzthetik,Germany.

DON’T PLAY, JUST BE
Monoblue Quartet und Klangforum Wien
between the lines btl 021 (2002)
„Unüberhörbare Spitze“ in: Jazz ‘n‘ More, Schweiz, August/September 2002;
4 stars in: Cuadernos de Jazz, Spanien, Sebtember/Oktober 2002;
4 stars in: all about jazz, USA, Juni 2002;
Hans Koller Preis 2003 – CD des Jahres.

 

exxj ... ensemble xx. jahrhundert

Das von Peter Burwik 1971 gegründete Solistenensemble formiert sich aus ersten Mitgliedern der großen Wiener Orchester und freischaffenden Instrumentalisten.

Sein Ziel ist es, die Musik des 20. Jahrhunderts bekannt zu machen und das Gegenwartsschaffen zu fördern. Unter diesem Aspekt wurden und werden zahlreiche Kompositionsaufträge an in- und ausländische Komponisten vergeben.

Wesentlicher Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Auseinandersetzung mit dem Schaffen von Schönberg, Berg und Webern; das Repertoire reicht von der "Wiener Schule" und Vertretern der klassischen Moderne bis hin zu Berio, Boulez, Saariaho, Stockhausen, Pärt, Huber ...

Zahlreiche Vertreter des internationalen Gegenwartsschaffens wurden vom ensemble xx. jahrhundert in Wien erstmals umfassend in Porträt-Konzerten vorgestellt, etwa Steve Reich, Vinko Globokar, Morton Feldman, Younghi Pagh-Paan, Emanuel Nunes und Barbara Kolb.

Das Ensemble blickt auf eine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland zurück.
Von den zahlreichen internationalen Festivals, zu denen das Ensemble eingeladen war, seien die Salzburger Festspiele, Wiener Festwochen, wien modern, Linzer Brucknerfest, steirischer herbst, Carinthischer Sommer, Edinburgh Festival, Berliner Festspiele, Hong Kong Arts Festival, Huddersfield, Warschauer Herbst, Musica Strasbourg und das Enescu-Festival in Bukarest erwähnt. Darüber hinaus wurden auf Konzertreisen in Frankreich, Belgien, Polen, Deutschland, Schweden, Mexiko, England, Russland, Aserbaidschan, Taiwan, Kuba, in der Schweiz und den USA wichtige aktuelle Programme präsentiert.

Nach der Uraufführung von Franz Koglmanns Oper Fear Death by Water am 18. März 2003 im Wiener Museums Quartier beschäftigte sich das Ensemble verstärkt mit der Präsentation grenz- und genreüberschreitender Kompositionen; wesentliche Resultate des Projekts "Alter Wiener Musik", bei dem Komponisten unterschiedlichster stilistischer Positionen zur Auseinandersetzung mit originalem Volksliedgut animiert wurden, sind inzwischen auf CD veröffentlicht worden.

Nach der Veröffentlichung einer weiteren CD mit Werken von J. M. Staud, E. Urbanner, K. Essl und F. H. Klein konzertierte das Ensemble erstmals im Parlament in Wien.
Von den Aktivitäten des Jahres 2006 seien besonders Konzertreisen nach Lateinamerika und New York sowie fünf Uraufführungen erwähnt, die in Verbindung mit dem Wiener Mozartjahr in Auftrag gegeben wurden.

Dieses Solistenensemble, von dem schon Ernst Krenek meinte, es sei "mehr als ein Vergnügen, jedem Einzeln und allen zusammen zuzuhören", steht für das hohe technische Niveau und jene Klangqualität, die mit der Wiener Musikkultur verbunden werden.

 

PETER BURWIK

Dirigentenausbildung an der Wiener Musikakademie bei Hans Swarowsky, weiterführende Studien und enge Zusammenarbeit mit Bruno Maderna in Salzburg und Darmstadt.

1971 gründete er das Ensemble 20.Jahrhundert in Wien, mit dem er bei zahlreichen renommierten internationalen Festivals gastierte. (Salzburger Festspiele, Berliner Festwochen, Edinburgh Festival, Warschauer Herbst, "Musica" Strasbourg, Festival de Lille, IRCAM Paris, Huddersfield-Festival, Hong Kong Arts Festival, Havana, Lugano, Baku, Genf, Moskau, Mexiko, Wien Modern)

Gastdirigent bei den Wiener Symphoniker, RSO Berlin, Orchestre Philharmonique Paris, WOS Kattowice, NDR-Symphonieorchester Hamburg, Orchestre National de Lille u.v.a;
zeichnete für eine Reihe von Ur- und Erstaufführungen verantwortlich.

1987 - 2007 Lehrtätigkeit an der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst;
Gastdozent an der Gustav Mahler Akadamie Bozen, an der Musikhochschule in Ljubljana Santiago de Chile, am Birmingham Conservatory, Konzerte und masterclass an der Dartington International Summer School/England, an der Simon Bolivar Universität in Caracas.
Zuletzt u.a. "Metropolis"-Projekt am IRCAM sowie die szenische Realisation von Sciarrinos "Lohengrin" und Schönbergs "Erwartung" bei den Wiener Festwochen 2001 und an der Finnischen Nationaloper Helsinki.

CDs (Auswahl):
KOGLMANN – HAYDN: NOCTURNAL WALKS
exxj ... ensemble xx. jahrhundert unter Peter Burwik und dem Haydn Orchestra Bolzano ant Trento unter Gustav Kuhn
col legno, WWE 1CD 2027 (2007)

SOUNDSCAPES 4 ADVANCED
Johannes Maria Staud: Configuration / Reflect; Erich Urbanner: Klavierkonzert; Karlheinz Essl: Deviation; Fritz Heinrich Klein: Die Machine
exxj ... ensemble xx. jahrhundert, Dirigent: Peter Burwik
Gramola 98783 (2006)

WIEN – GEGEN DEN STRICH
Otto Lechner: Tanz 1 / Tanz 2; Oskar Aichinger: ¾ verstrahlt; Erich Urbanner: Jodler – Tanz / ...drum greif ma zua; Axel Seidelmann: Wiener Elegie; Franz Koglmann: Heut’ hab’ i schon mei Fahn’l; Christoph Cech: S.herz; Vladimir Pantschev: Wir gengan heut’ nach Nussdorf h’naus; Wolfgang Liebhart: Altwiener Tanz.
exxj ... ensemble xx. jahrhundert, Dirigent: Peter Burwik
Gramola 98773 (2005)

exxj ... ensemble xx. jahrhundert · SCHÖNBERG
Gustav Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen; Arnold Schönberg: op. 8 Nr.1 und Nr. 5 / Kammersymphonie; Johann Strauss: Rosen aus dem Süden.
Ruxandra Donose, Mezzosopran, Dirigent: Peter Burwik
Gramola 98762 (2004)

Weitere Informationen: www.exxj.com


 

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